Erntedank

von Birgit Link

„Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!“
Wann waren wir das letzte Mal so richtig dankbar? Nach einer bestandenen Prüfung? Als es knapp an einem Autounfall vorbeiging? Beim Staunen über einen Sonnenauf- oder -untergang?
Der Refrain aus dem Lied „Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land ...“ erinnert uns daran, dass wir täglich vieles empfangen und vieles haben, das wir nicht selbst machen und einkaufen können: Gesundheit, Familie und Freundeskreis, Gemeinde, Kleider in Fülle, Essen und Trinken zum Auswählen, Arbeitsstelle oder Ausbildungsplatz, Haus und Garten, Frieden in unserem Land.
Wir sehen eher das, was uns fehlt, was wir uns alles auch noch wünschen oder gut gebrauchen könnten. Wir machen Einkaufslisten und andere Listen. Wie wäre es, wenn wir eine Dankliste an Gott anlegen würden?
Weil uns im Leben viel mehr geschenkt ist, als wir wahrnehmen können, ist es sinnvoll, dem zu danken, der uns diese Gaben schenkt. Es ist nicht nur anständig, wenn wir vor dem Essen danken. Es ehrt auch den Geber und bringt uns in Beziehung zu ihm.
Matthias Claudius hat das ursprünglich genannte „Bauernlied“ 1782 geschrieben. Es war ein Wechselgesang zwischen dem Vorsänger (Strophen) und dem Chor „aller Bauern“ (Refrain). Mit 16 vierzeiligen Strophen war es erheblich länger und der Refrain lautete etwas anders. Die heute gebräuchliche Melodie wird allgemein als ein Werk von Johann Abraham Peter Schulz angesehen und erschien 1800 in Hannover in der zweiten Auflage einer Sammlung „Melodien für Volksschulen“. Im Evangelischen Gesangbuch von 1955 wurde es der Rubrik „Natur und Jahreszeiten“ (Nr. 508) zugeordnet. Auch im englischsprachigen Raum gehört es heute zu den bekanntesten Thanksgiving (Erntedank) - Liedern.

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