Leben im Konflikt

 
Am 1. August gab Fr. Ulrike Schelle bei einem Vortrag Einblick in ihren aufenthalt in einem Palästinenserdorf. hier eine kostprobe Davon:




Das Dorf Sheikh Sa'ad, in dem ich im Sommer 2005 lebte, liegt am süd-östlichen Rand von Jerusalem in der Westbank. Bis 1967 gehörte es zum Dorf Jabal al-Mukabber. Doch nach der Annexion Ost-Jerusalems und der Veränderung der Stadtgrenze durch Israel befand sich Sheikh Sa'ad in der Westbank und Jabal al-Mukkaber in Jerusalem. Obwohl die Menschen in Sheikh Sa'ad keinen Jerusalem-Ausweis erhalten hatten, spielte sich ihr Leben weiterhin hauptsächlich in Jerusalem ab. Dort hatten sie Verwandte und Freunde, dort gingen sie zur Arbeit, in die Schule, zum Arzt und Einkaufen. Im Jahre 1993 verbot Israel allen Palästinensern ohne Jerusalem-Ausweis den freien Zugang nach Jerusalem. Die israelische Zivilverwaltung setzte sich jedoch für die Bewohner von Sheikh Sa'ad ein, sie erhielten eine Sondergenehmigung und durften weiterhin nach Jerusalem gehen. Mit dem Ausbruch des palästinensischen Aufstandes Ende 2000 wurde die Sondergenehmigung aufgehoben. Der Ortseingang wurde von israelischen Soldaten kontrolliert und viele Menschen konnten ihre Arbeitsplätze in Jerusalem nicht mehr erreichen. 2002 wurde die Straße nach Jerusalem blockiert und 2003 wurde mit dem Mauerbau begonnen. Die Menschen haben Angst, völlig von ihren Familien und Arbeitsplätzen in Jerusalem abgeschnitten zu werden. Mit der Unterstützung einer israelischen Nachbarschaftsinitiative ging das Dorf vor Gericht, um gegen den geplanten Mauerverlauf zu klagen. Zunächst wurde das Leben wieder einfacher, es gab weniger Kontrollen und mehr Menschen erhielten wieder Genehmigungen um nach Jerusalem zu gehen. Doch seit das Oberste Gericht von Israel Im März 2006 entschied, dass die Mauer Sheikh Sa'ad und Jabal al-Mukabber nicht trennen darf, verschlechterte sich die Lage der Menschen wieder. Israel erkennt den Gerichtsbeschluss nicht an und legte Revision ein. Jetzt werden selbst die Menschen, die eine Genehmigung haben, von israelischen Soldaten daran gehindert, das Dorf zu verlassen.

Internetportal der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Kalenderblatt


Service


Landeskirche