Beichte .... Ist das nicht katholisch?

 
von Pfr. Tobias Eißler 
 
 
 
Beim Besuch in einer katholischen Kirche kann man den Beichtstuhl sehen. Oder einen Terminplan: Pfarrer X hört am Samstag um 14 Uhr die Beichte. Oder der katholische Schulkamerad erzählt von dem Beichten vor der Firmung, bei dem es ihm nicht ganz wohl in der Haut war. Zum Glück sind wir evangelisch? Und geben uns nicht mehr mit diesem Überbleibsel aus dem Mittelalter ab? Ist das unsere Reaktion?
Die Gründer der evangelischen Kirche haben die Beichte nicht abgeschafft. Sondern sie hochgeschätzt, selbst geübt und dazu vermahnt. Ihre Kritik betraf nur den Zwang zur Beichte. Eine ehrliche Beichte kann nicht angeordnet und erzwungen werden. Aber jeder Christ sollte diesen geistlichen Schatz entdecken.
In der Beichte kommt der befreiende Zuspruch, dass die Sünde vergeben ist, ganz persönlich auf uns zu. Allerdings: bei jedem Abendmahlsgottesdienst geschieht dasselbe. Nach dem Beichtgebet verkündet es der Pfarrer: "Durch seinen Sohn Jesus Christus vergibt er euch alle eure Sünden." Das gilt. Das genügt - im Normalfall. Allerdings gibt es in jedem Leben Schuld, von der die Gedanken nicht loskommen. Es gibt das Geheime, Belastende, Fesselnde, Unverarbeitete und Folgenschwere, das uns bedrückt. Darüber sollten wir mit einem seelsorgerlichen Menschen unter vier Augen sprechen. Dieser Beichthörer weiß, dass er darüber Schweigen bewahren muss (Beichtgeheimnis). Er wird das, was als Sünde vor Gott erkannt ist, weder entschuldigen noch kleinreden. Vielmehr wird er im Namen Gottes zusprechen: "Dir sind deine Sünden vergeben." Dieses lösende Wort ist Gottes eigenes Wort, das in Ewigkeit gültig ist. Wer das glauben kann, wird eine ungekannte Erleichterung und Freude spüren. Hier liegt der Grund dafür, dass Christen, die die Einzelbeichte einmal entdeckt haben, sie immer wieder gerne nutzen.
Formulierungshilfen zur Einzelbeichte finden sich im Evangelischen Gesangbuch unter den Nummern 815-817.

Internetportal der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Kalenderblatt


Service


Landeskirche