Gemeindebrief
von März 2010 bis Mai 2010Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer
sein Leben für seine Freunde hingibt.
Monatsspruch für den Monat März aus Johannes 15,13
Liebe Gemeindeglieder,
vielleicht kam Ihnen auch schon folgender Satz über die Lippen:
„Des hät i net denkt, dass so ebbes möglich isch!“
Paläste, Villen, Badeanlagen, Gärten, Theater und Rennbahn bestimmten das Bild der damaligen Bezirkshauptstadt. Hinzu kamen die Gebäude des Militärs, der Steuerbehörden und Gerichte. Und wie es in solchen Klein-städten ist: Jeder kannte jeden. Vor allem solche Personen wie Zachäus, bekannt wie ein bunter Hund, würde man landläufig sagen.
Wirtschaftlich ging es den Menschen gut. Man exportierte Balsam für medizinische und kosmetische Zwecke, Datteln, Feigen und Wein. „Das kann nun die gute Verknüpfung zu uns nach Mundelsheim sein.“
Der jüdische Historiker Josephus schrieb damals über diese vom Klima begünstigte, wasserreiche Oase, "dass man nicht fehlgehen würde, wenn man diesen Ort als göttlich bezeichnete, an dem so reichlich die seltensten und schönsten Pflanzen wachsen." Zwei Wegstunden östlich der Stadt gab es eine Furt und eine Fähre über den Jordan und damit den Zugang zu den großen Karawanenstraßen.
Der Jordan war die Landesgrenze. An Grenzen gibt es Zoll und Zöllner.
Daran hat sich bis heute wenig geändert. Zwar brauchten die Bürger zur Zeit Jesu etwas weniger Steuern zu zahlen als wir heute, aber auch in jenen Tagen war die Staatskasse unersättlich.
So mussten Zölle einbringen, was Steuern nicht einbrachten.
Darum kassierten die Römer an vielen Stellen des Landes Zölle - oder richtiger: ließen kassieren. Denn sie hatten ihre Leute dafür, Einheimische wie Zachäus, die als Zollpächter mit der verhassten Besatzungsmacht zusammenarbeiteten.
Denn wer sich als Jude mit den heidnischen Römern einließ, galt als unrein und durfte darum nicht am Gottesdienst teilnehmen und, wer mit solchen unreinen Leuten zusammenkam, wurde selber unrein.
Die Leute, die für die Römer Zölle einzogen, hatten die Einnahmen von einer oder - wie Zachäus, einer der Großen im Zollgeschäft - von mehreren Zollstellen gepachtet. Dafür mussten sie dem kaiserlichen Fiskus hohe Vorauszahlungen leisten. Wen wundert es, wenn sie versuchten, für sich einen möglichst großen Gewinn zu erwirtschaften.
Betrug gehörte mit zum Geschäft; denn nicht jeder, der zahlen musste, kannte die amtlichen Tarife. Zoll-pächter galten bei ihren Volks- und Glaubensgenossen nicht ohne Grund als Landesverräter, Erpresser und Betrüger. Die Leute mieden jeden Kontakt, der über das Berufliche hinausging, sahen vorbei, wenn sie ihm begegneten.
Meistens war in Jericho nicht viel los, doch eines Tages hörte man, dass Jesus von Nazaret durch die Stadt kommen werde. Im Nu waren alle auf den Beinen, um diese Sensation nicht zu verpassen, auch Zachäus.
Eine wunderbare VerWandlung geschieht:
Jesus nennt Zachäus bei seinem Namen: „Zachäus steig schnell herunter!“
Zachäus, der Kleine, der hoch hinaus wollte und sich deshalb verstieg, steigt herab.
Durch die Begegnung mit Jesus geschieht das Geheimnis der Verwandlung.
Durch Jesus, der mit ihm feiern, essen und trinken möchte, wird der Mensch Zachäus verwandelt. In diesem Menschen Jesus erfährt Zachäus Gottes Heil.
Jesus predigt keine Umkehr, sondern lässt Zachäus seine bedingungslos annehmende Liebe erfahren.
Die Erfahrung dieser Liebe führt den Oberzöllner zur Umkehr.
Weil er sich selbst angenommen weiß, weil er mit seiner eigenen Würde in Berührung ge-kommen ist, darum braucht er den Mechanismus des Auffallens und des Geldscheffelns nicht mehr.
Er ist frei zu geben, woran er sich geklammert hat.
Eine wunderbare Geschichte von einem Menschen, der sich auf die Liebe Gottes eingelassen hat, die ihm in der Person Jesu sichtbar und erfahrbar begegnet ist.
Auch im Jahr zweitausendundzehn,
kann dieses Wunder an Menschen gescheh´n.
Lässt sich der Mensch auf diese Begegnung ein,
wird Gottes Geist, „der Alltagsbegleiter“ dann sein.
In Jesus Christus ist der ewige Gott für DICH und mich.
Herzliche Einladung zu den Veranstaltungen in unserer Kirchengemeinde –
wir freuen uns auf SIE.
Ihr Paul Möhrer
(Laienvorsitzender des KGR)
