Leben im Gef(l)echt von Beziehungen

von Andrea Eißler

Leben wir in einem Beziehungsgeflecht oder einem Beziehungsgefecht? Diese Frage beschäftigte uns in den diesjährigen vier Kurseinheiten des Religionsunterrichts für Erwachsene. Nur ein veränderter Buchstabe und schon bekommt ein ganzes Wort einen völlig anderen Klang. Wie oft ist das genau so in unseren Beziehungen! Nur ein falsch verstandenes Wort, nur eine ungeschickte Äußerung oder Geste - und schon stecken wir mitten im Gefecht. Und manchmal halten wir solche Gefechtsstände über Jahre hinweg.
An den biblischen Geschichten von Saul und David und deren Beziehungsgeschichten wurde uns deutlich, wie unterschiedlich man mit Beziehungen, mit ihren Freuden und Leiden umgehen kann.
In der ersten Kurseinheit wurden wir eingeladen an den Hof des König Saul. Anschaulich wurde uns verdeutlicht, wie unter einer prächtigen Fassade manche Verstrickung und Verwicklung steckt. Wie viel Unansehnliches halten wir unter der Decke, wie viel Not steckt in unseren Beziehungskisten! Wir spürten etwas davon, wie heilsam es wäre, Gott hinein zu bitten in unsere verworrenen Lebensfäden, damit aus Gefechten wieder Geflechte werden.

In der zweiten Kurseinheit erlebten wir den tragischen Weg des König Saul. Unfähig, sich unter Gott zu stellen und Gottes Rahmenbedingungen einzuhalten, wurde er schließlich von Gott als König verworfen. Was führte zu seiner Rebellion gegen Gott und zu seinem unverhältnismäßigen Machtstreben? Das beschäftigte uns. War es seine eigene Schwäche und Minderwertigkeit, die ihn dazu verführte, sich selbst zu überheben, ja schließlich sogar sich selbst zu hassen? Wir wurden angeregt, im Gegensatz zu Saul die enge Beziehung zu Gott zu suchen, der uns liebt und wert achtet. Keiner muss sich "groß" aufspielen, der sich von Gott beschenken lässt.
 
In der dritten Kurseinheit steht David als Harfenspieler im Mittelpunkt. Unser Leben ist einer Harfe vergleichbar. Oft kann sie ein fröhliches Lied hervorbringen, dann wieder klingt sie verstimmt oder verstummt gar ganz. Was tun, damit wir wieder zu einer guten Lebensmelodie finden?
Im lebensgefährlichen Konflikt mit Saul gelingt es David, immer wieder zu Gott zu fliehen. Obwohl er es könnte, rächt er sich nicht an Saul. Er kann in großer Ruhe vor Gott abwarten, wie dieser ihm Recht schaffen wird. Er wartet vertrauensvoll auf die Erfüllung seiner Zusagen. Wie viel Entspannung läge in einem solchen Umgang mit unseren Beziehungsgefechten!

In der vierten und letzten Kurseinheit erleben wir, dass auch David nicht nur der makellose und geliebte Herzkönig ist, für den man ihn vielleicht hält. Etliche Flecken zieren sein prächtiges Königsgewand. Wir hören, wie er die schöne Batseba sieht, begehrt und nimmt, obwohl sie ihm nicht gehört. Wie er alles versucht, um sein Unrecht zu vertuschen, aber schließlich doch überführt wird. Wir staunen über David, der den schwersten aller Sätze über die Lippen bringt: "Ich habe gesündigt", und dann erfahren darf, dass Gott vergibt.
Ob wir mit ihm einstimmen können in Psalm 103?
Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, der dir alle deine Sünde vergibt und heilet all deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.

Mit dem Zuspruch: "Du bist gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit" endete der Religionsunterricht. Wir freuten uns sehr über alle Teilnehmer und laden schon jetzt ein, dabei zu sein – im nächsten Jahr.

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