Gemeinsam beten

von Tobias Eißler

So mancher Mitchrist kann mit einer "Gebetsgemeinschaft" wenig anfangen: mehrere Beter tragen ihre frei formulierten Gebete zusammen. Die Einwände dagegen könnten etwa so lauten: "Hat Jesus nicht gesagt, man solle im Stillen Kämmerlein beten?". "Das ist nur ein spezielle Frömmigkeitsform!". "Was soll diese Gruppenübung schon bringen?"
Als Jesus seine Jünger das Beten lehrt, bringt er ihnen das Vaterunser bei. Es ist ein Gebet zu "unserem Vater", im Wir-Stil formuliert. Das Vaterunser ist das Gebet der Jüngergruppe. Dieser Gebetsform gilt das ausdrückliche Versprechen von Jesus: "Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel." (Mt 18,19) Ganz praktisch leitet Jesus seine Jünger zum gemeinsamen Beten an etwa beim Dankgebet des Abendmahls oder im Garten Gethsemane: "Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!" (Mt 26,41) Die Idee, gemeinsam zu beten, stammt also von Jesus.
In der Urgemeinde war das gemeinsame Gebet eine selbstverständliche, alltägliche Sache. Schon vor dem zündenden Pfingsttag zeigt uns die Apostelgeschichte die Gebetsversammlung der Apostel "samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern" (Apg. 1,14). Als den Christen der Geist Jesu geschenkt ist, beten sie erst recht miteinander. Einmal spüren sie dabei sogar ein kleines Erdbeben – einen freundlichen, mächtigen Gruß des Gebetsempfängers (4,31). Gott befreit Petrus aus dem Gefängnis, während die Mitchristen zusammensitzen und für ihn beten (12,12). Eine wichtige Personalentscheidung, der Start einer wichtigen Mission wird ebenso vom Gebet der Zusammengekommenen begleitet wie ein schmerzlicher, aber mutmachender Abschied (13,3; 20,36).
Wenn wir diese Spur aufnehmen, werden wir uns auf das gemeinsame Beten einlassen. Und erfahren, wie es unseren Glauben stärkt und der Gemeinde den Segen bringt.

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