Seltsame Begrüßung

 
von T. Eißler
 
"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes." Der erste Satz des Pfarrers im Gottesdienst. Die Gemeinde antwortet: "Amen." Eine etwas seltsame Eröffnung, oder nicht? Sollte am Anfang nicht ein persönlicher Gruß stehen?
Das Eingangswort des Gottesdienstes hat eine lange Tradition. Wie alle Worte, die in der Liturgie vorkommen, ist es biblisch begründet. Jesus sagt in Matthäus 18,20: "Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen." Jesus, der auferstandene, lebendige Herr, verspricht seine Gegenwart. Eine unsichtbare, aber wirkliche Gegenwart. Dort, wo Menschen sich in seinem Namen versammeln. Das bedeutet, dass sie als solche zusammenkommen, die an Jesus Christus glauben und in dieser Zusammenkunft auf sein Wort hören möchten. Sein Name, der gleich zu Beginn in der Form des dreigliedrigen Gottesnamens (vgl. die Formulierung von Jesus selbst in Matthäus 28,19) ausgerufen wird, steht für seine Herrschaft, für seine Gastgeberschaft und für seine Absicht, die Anwesenden zu beschenken. Der Gottesdienst wäre also missverstanden als eine feierliche Veranstaltung der Organisation Kirche. Er ist eine Begegnung der Christusgläubigen mit ihrem Herrn. Eine Begegnung, bei der der Herr durch sein Wort mit uns redet und wir mit ihm durch unsere Lieder und Gebete, wie es Luther auf den Punkt gebracht hat.
Das Eingangswort dient der Konzentration auf das Wesentliche des Gottesdienstes: die Gottesbegegnung. Es kann auch als Grußformel gesprochen werden, etwa in der bekannten Formulierung 2. Korinther 13,13: "Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen." In Paulusbriefen fällt auf, wie wichtig dem Apostel solche Grüße sind. Jeweils am Anfang und am Ende stehen keine leeren Grußformeln. Sondern gefüllte Worte, die die Christusverbundenheit stärken und den Segen mitbringen. So beginnt und endet der Gottesdienst mit dem herrlichen Namen, durch den Segen in unser Leben hineinströmt.

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