Aus dem Kirchenbezirk

von Dekan Dr. Heinz-Werner Neudorfer 

Liebe Leserinnen und Leser,
es mag Sie erstaunen, dass der Dekan des Kirchenbezirks Marbach sich in Ihrem Gemeindebrief zu Wort meldet. Schade eigentlich, dass das so etwas Besonderes ist! Leider geht uns über den Aufgaben und auch Sorgen in der eigenen Kirchengemeinde manchmal der Blick dafür verloren, dass wir ja Teil eines größeren Ganzen sind. Damit meine ich die weltweite Christenheit mit ihrer Vielfalt von Kirchen und Konfessionen, aber auch unsere Evangelische Kirche in Deutschland mit ihren 22 Gliedkirchen, unsere württembergische Landeskirche mit 4 Prälaturen und 51 Kirchenbezirken und natürlich unseren Kirchenbezirk Marbach mit seinen drei Distrikten und 20 Kirchengemeinden. Manche fragen: „Wozu brauchen wir einen Kirchenbezirk, wenn er im Alltagsleben unserer Gemeinde überhaupt nicht vorkommt?“ Eine gute Frage! Der Kirchenbezirk ist eine noch überschaubare Gemeinschaft von Gemeinden, die einige Aufgaben aus eigener Kraft nicht leisten könnten – zum Beispiel eine überörtliche Diakonie mit ihren Beratungs- und Nothilfeaufgaben (etwa der „fahrbaren Tafel“ im Norddistrikt) oder Angebote der Erwachsenenbildung. Einzelne Gemeinden wären auch mit der Finanzierung von Bauaufgaben überfordert. Deshalb gibt der Kirchenbezirk derzeit einen Zuschuss von 10% dazu. Schließlich ist er eine Zwischeninstanz zur Kirchenleitung, die in Stuttgart ihren Sitz hat, indem etwa die Verteilung der Kirchensteuermittel nicht direkt, sondern über die Bezirke erfolgt, und umgekehrt indem der Bezirk Gelder (z.B. Gottesdienstopfer) der Gemeinden sammelt und in einer Summe nach Stuttgart weiterleitet. Das waren für die „Brot für die Welt“ - Aktion 2008 immerhin fast 76.000 €, für das Weltmissionsopfer 2009 gut 28.000 €. Darüber hinaus versteht sich der Kirchenbezirk als „Servicestelle“ für die Kirchengemeinden. Er macht Angebote, die einzelne Gemeinden nicht machen könnten. Gute Beispiele dafür aus dem vergangenen Jahr sind der Seminarabend für Protokollführerinnen in Großbottwar und der Bezirkstag „Gottesdienste“ in Marbach. Für 2010 ist ein Bezirkstag „Kirchengemeinde und Kindergarten“ in Vorbereitung. Weil die Aufgaben so umfangreich sind, gehört zum Dekanatamt auch die Schuldekanin, die vor allem für Religions- und Konfirmandenunterricht zuständig ist. Ob das Bewusstsein: „Wir sind Teil eines Kirchenbezirks“ oder „Wir gehören zu einem Distrikt“ in einer Gemeinde ankommt und eine Rolle spielt, hängt allerdings von den Personen ab, die sich vor Ort darum kümmern. Ich würde mir wünschen, dass nicht erst die Not (z.B. die Streichung von Pfarrstellen) uns zu gemeinsamer Arbeit und damit auch zu mehr gemeinsamem Christsein führt.
 
Herzlich grüßt Sie
– auch von Schuldekanin Birgit Sendler-Koschel
und Ingo Rust, dem Vorsitzenden der Bezirkssynode –
Ihr
Dr. Heinz-Werner Neudorfer, Dekan


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