Frühlingsstimmung in Tübingen
Pfarrer Eißler berichtet vom Gemeindeausflug nach Tübingen.In einem wunderschönen Frühjahrsgrün präsentierte sich das Universitätsstädtchen. Vom Turm der Stiftskirche aus betrachteten wir die Neckarinsel mit der Platanenallee und den Burgberg mit Schloß Hohentübingen. Nicht alle Besucher aus Mundelsheim stiegen die vielen Treppen zur Turmspitze hinauf. Schließlich sollte der Ausflug für niemand zu anstrengend werden. Für einige Jungs war das offenbar nicht der Fall: sie rannten die vielen Stufen um die Wette hinauf. Jeder tüchtige Aufsteiger wurde durch den Rundumblick vor himmelblauem Horizont belohnt: da die schöne Rathausfassade, dort die Burse und das „Stift“, die uralten Studentenwohnhäuser,
unten ein Stocherkahn auf dem Neckar.
Angenehm sonnig und warm war’s auf dem Turm, während das Innere der Stiftskirche recht dunkel und kühl wirkte. Ob eine Lichttechnik wie in der Mundelsheimer Nikolauskirche den Innenraum nicht einladender machen würde? Mesner Kern, ein rechter Schwabe mit stattlichem Bart, stellte das Herzstück Tübingens vor, das Graf Eberhard im Bart 1477 anstelle eines Vorgängerbaus errichten ließ. Die Professoren und Studenten der damals neu-gegründeten Universität durften den Chorraum als Festsaal benutzen. Aber sie feierten auch Gottesdienst in dem Gotteshaus.
400 Besucher seien an diesem Sonntag, dem 27. April, im Studentengottesdienst dagewesen, erzählte Mesner Kern. Auf dem beleuchteten Altarbild des Dürer-Schülers Hans Schäufelein wies er auf den Unterschied hin zwischen dem einen Gekreuzigten neben Jesus, der zum Himmel blickt, und dem anderen Schächer, der zur Erde starrt. Im Chorraum leuchteten über den grauen Grabmä-lern der würdigen württembergischen Herzöge die Glasfenster des Straßburger Künstlers Peter Hemmel von Andlau wie eh und je: erzählte biblische Geschichte für die Leseunkundigen.
Anschließend erkundete jedermann aus unserer 50-Personen-Gruppe die hübschen Gassen nach Lust und Laune. Schließlich hatten wir uns vorher in Hagelloch, einem Vorort von Tübingen, durch Maultaschen und Schnitzel gestärkt. Wie so manch anderer Tübingen-Tourist besichtigten wir das Neckarwas-er aus der Nähe, das seltsamerweise grün aussah – wie ein Kind überrascht feststellte. Wie lange es wohl braucht, um vom Hölderlinturm bis zur Käsberghalle Mundelsheim zu fließen? Sollten wir einmal eine Flaschenpost abschicken, um es praktisch auszuprobieren?
Wir schickten keine Flaschenpost ab. Vielmehr parkten wir unsere PKW-Flotte aus dem Parkhaus König wieder aus und fuhren in den Teilort Derendingen. Dorthin, wo sich ein fliederfarbener, zwölfeckiger Turm über die umliegenden Häuser streckt. Im Albrecht-Bengel-Haus hatte Hausmutter Wal-traud Rath den Kaffeetisch für uns gedeckt. Studienleiter Hartmut Schmid, ebenfalls Bartträger, von ansehnlicher Statur, erläuterte die Arbeit im Bengelhaus. Knapp hundert Studierende wohnen in den drei Wohntürmen. Ihr Theologiestudium absolvieren sie an der Universität. Die sechs Lehrer des ganz von Spenden getragenen Bengel-Hauses bieten ergänzende Lehrveranstaltungen an, deren Markenzeichen ein tiefer Respekt und ein tiefes Vertrauen zum biblischen Wort ist. Die Studenten werden nicht nur wissenschaftlich geschult, sondern auch zur Übung des geistlichen Lebens angeleitet. Das Ausbildungsziel, nämlich die praktische Gemeindearbeit, versucht das Bengelhaus den angehenden Pfarrern nahe zu bringen.
Nach einer Führung durch ein enges, aber gemütliches Stockwerk mit Studentenzimmern, durch den Festsaal und die Bibliothek rundete eine geistliche Besinnung im Andachtsraum das Programm ab. Über eine angenehme freie Autobahn kehrten wir zurück – in einen anderen schönen Ort am Neckar.
