Woher kommen Talar und Stola ?
Von Dirk Vinnai
In seiner heute gültigen Form wurde der Talar im Jahr 1811 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm III. eingeführt. Was haben aber die Geistlichen in den 300 Jahren von der Reformation bis 1811 getragen? Im reformierten Zweig der Reformation trugen die Prediger die gleiche Kleidung wie alle Gottesdienstbesucher. Der lutherische Zweig der Reformation hat zunächst die gewohnte (katholische) liturgische Kleidung beibehalten: Albe (weißer Umhang), Stola (Stoffband) und Casel (Kapuzenmantel). Auf vielen Bildern, die von der Reformationszeit bis ins 17. Jahrhundert entstanden sind, trugen die protestantischen Geistlichen am Altar liturgische Kleidung (Albe und Stola) und auf der Kanzel, als Zeichen ihrer Gelehrsamkeit, eine Gelehrtenschaube. Die Gelehrtenschaube war für Theologen ein langes schwarzes Gewand. Durch die Zerstörungen des 30-jährigen Krieges, und die darauf folgende Not war es vielen Kirchen nicht mehr möglich, die in den Wirren des Krieges zerstörte und geraubte kostbare liturgische Kleidung durch neue zu ersetzen. Man hat sich irgendwie beholfen und so hat sich eine Vielzahl unterschiedlichster Bekleidungen für die protestantischen Geistlichen entwickelt. König Friedrich Wilhelm III. beendete diesen Zustand, in-dem er den Talar einführte. Er wollte damit den protestantischen Geistlichen ein einheitliches Aussehen geben Die Stola ist aus einem römischen Kleidungsstück, dem Orarium, hervorgegangen. Heute ist die liturgisch verwendete Stola ein 2,50 m langer Stoffstreifen, der das Joch Christi (vgl. Mt 11,29) symbolisieren soll. Die Stola gibt es in verschiedenen Farben – entsprechend den Farben des Kirchenjahres. Als Ersatz für das verbrauchte Chorhemd wurde in Mundelsheim die weiße Stola angeschafft. Sie wird bei Taufe und Abendmahl getragen: ein sichtbarer Hinweis auf die besondere Zuwendung Gottes in seinen Wortzeichen.
