Eindrücke von der Visitation
Es berichtet Dekan Dr. NeudorferBald ist sie wieder da, die Zeit der süßen Düfte, der Dekos und Geschenke, der Rückblicke und der Hoffnungen für das neue Jahr. Es ist ja auch die Zeit der Rundbriefe, in denen wir Verwandten und Freunden mitteilen, was sich so ereignet hat im ausgehenden Jahr, was die Kinder machen und welche Pläne wir haben für das neue. Wer mit einem Menschen persönlich verbunden ist, interessiert sich dafür, wie es ihm geht.
Das gilt ähnlich auch für die Kirche und ihre Gemeinden. In Stuttgart und in der Dekanatsstadt Marbach interessiert man sich für Mundelsheim, möchte wissen, was dort läuft und wie es geht. Gibt es neue Ansätze, Ideen, Projekte? Haben die Christinnen und Christen dort Probleme und brauchen Rat, Ermutigung, Hilfe? Wo steht die Kirchengemeinde Mundelsheim gerade innerhalb unserer Landeskirche? Was ist geistlich gewachsen? Wie kann Gottes Reich in Mundelsheim künftig noch besser wachsen?
Mit diesen und anderen Fragen im Kopf kam das Visitationsteam, bestehend aus Dekan, Schuldekanin, Dekanstellvertreter, Bezirkskantor, Datenschutzbeauftragtem und Kirchlicher Verwaltungsstelle in diesem Jahr in Ihren Ort. Was wir beim Gemeindeforum im Mai, beim Besuch des Gottesdienstes, der Kinderkirche, von Schul- und Konfirmandenunterricht, im Gespräch mit dem Bürgermeister und dem katholischen Pfarrer und bei vielen Einzelgesprächen erfahren haben, lässt sich natürlich nicht in 3600 Zeichen wiedergeben. Zudem ist Papier kein guter „Wärmeleiter“ für
Menschliches.
Ein paar Punkte möchte ich aber doch im Rückblick und aus meiner Sicht erwähnen:
1. Visitation ist nicht Willkür, sondern Vorschrift in unserer Kirche. Sie erfolgt nicht zuerst als Kontrollmethode, sondern mit bester und freundlichster Absicht. Dennoch geht sie oft an die Substanz einer Gemeinde, rührt den Bodensatz auf, bringt Dinge (wieder) auf den Tisch. Das ist gut und auch nötig. Welche Gemeinde würde sich schon von sich aus einer solchen „Vorsorgeuntersuchung“ unterziehen, noch dazu, wenn sie mit Aufwand verbunden ist? So gesehen ist jeder Zeitpunkt für eine Visitation ein schlechter Zeitpunkt.
2. Die „Außenwahrnehmung“ durch Beiträge beim Gemeindeforum wie beim Gespräch mit Bürgermeister Haist und Pfarrer Drescher erwies die Mundelsheimer Kirchengemeinde als einen starken Faktor im Ortsgeschehen, den niemand vernachlässigen darf. Besonders die Jugendarbeit, die der CVJM im Auftrag der Kirchengemeinde weitgehend durchführt, erfährt viel Anerkennung. Sie stellt im sozialen Gefüge des Orts ein wichtiges „Schmiermittel“ dar, so dass Mundelsheim mit Jugendlichen weniger Probleme hat als andere Kommunen.
Besonders die Dorffreizeiten und die Zusammenarbeit bei den Kindergärten finden viel Zustimmung. Die deutlich missionarische Ausrichtung, die ganz im Sinne der Evangelischen Kirche in Deutschland und unserer Landeskirche ist, wird dabei nicht als aufdringlich erlebt.
3. Die große Zahl derer, die in Kirchengemeinde und CVJM mitarbeiten, ist beeindruckend. Wir Visitatoren möchten allen, die sich mit Geld, Zeit, Phantasie und persönlichem Engagement eingeklinkt haben, herzlich für ihre Mitarbeit danken und sie ermutigen weiter zu machen. Dabei verlangt die Einbindung in eine größere Einheit (nämlich in die Kirchengemeinde und in die Landeskirche) immer auch die Bereitschaft, Kompromisse zu suchen und zu ihnen bereit zu sein. Kompetenzen und Verantwortlichkeiten verdienen Gehör. Es kann nicht immer „nach meiner Nase“ gehen. Das braucht Akzeptanz!
4. Mundelsheim hat zwei schöne Kirchen, einen gut besuchten Gottesdienst und ein reiches kirchenmusikalisches Leben. Dies sind wertvolle Güter, die zu hüten und zu pflegen sind! Dass es ein Programm mit verschiedenen Gottesdienstarten gibt, ist ein Reichtum, der aber die Gefahr in sich birgt, dass die Gemeinde „sich verläuft“, kein wirkliches Zentrum mehr hat. Stichwort „Zentrum“: Das sehr schöne CVJM-Haus ist bis an die Grenzen ausgelastet. Mundelsheim hat als einzige Bezirksgemeinde bisher kein eigenes Gemeindehaus. Hier sollten die Verantwortlichen prüfen, ob es am Ende der Neubau-Phase unserer Kirche noch zu einem eigenen Gebäude reicht.
5. Im Kirchengemeinderat hat es bei den Wahlen 2007 einige Veränderungen gegeben. Die „Doppelspitze“ Pfr. Dr. Eißler / Paul Möhrer ist ein gutes Team! Was an Anregungen zu geben war, wurde mit dem Kirchengemeinderat besprochen und gehört nicht hierher. Ich bin gespannt, wie der KGR die Ergeb-nisse bis zu meinem Nachbesuch in einem Jahr ausgewertet und welche Schlüsse er daraus gezogen hat. Sie alle bitte ich, ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen durch Mitmachen, Beten und Geben. Gott segne Sie alle und Ihre Kirchengemeinde!
Ihr Dr. Neudorfer, Dekan
