Zahlreiche Zuhörer waren am 14. November 2007 im CVJM-Haus gespannt auf den Vortrag von Pfarrer und Psychotherapeut Dr. Wilfried Veeser über psychische Erkrankungen und den Umgang mit Betroffenen.
 
Es berichtet Heinz Armbruster

Wenn die Seele erkrankt und der Glaube schwankt

Pfarrer Veeser gelang es, in verständlicher und humorvoller Weise, schwierige Inhalte zu erläutern und anhand von Beispielen anschaulich zu machen.

Anhand von 1. Thess. 5, 14 wurde aufgezeigt, wie schon Paulus der Gemeinde in Thessaloniki Ratschläge für den Umgang mit Menschen gab, die psychische Auffälligkeiten zeigten. Zurechtweisen, Trösten und manchmal einfach nur Tragen und Ertragen sind seine Empfehlungen.
Dass beim Tragen und Begleiten Grenzen zu beachten sind, wurde in der Aussage deutlich, dass ein Hauskreis mit mehr als einem Betroffenen sicher überfordert wäre. In Familien mit Betroffenen ist es sehr wichtig, über allem Unterstützen und Begleiten das eigene Wohlergehen nicht zu vernachlässigen, um nicht selbst zu erkranken.

Mit der Erläuterung von Stoffwechselvorgängen im Gehirn und den durch Störungen hervorgerufenen Krankheitsbildern gelang es Herrn Veeser, Zusammenhänge und mögliche Ursachen aufzuzeigen. Er betonte, dass psychische Auffälligkeiten Erkrankungen des Gehirns sind, die sich nicht in Schmerzen, sondern im Verhalten der Betroffenen zeigen. Wie für andere organische Krankheiten oder Verletzungen gibt es auch für die psychischen Erkrankungen geeignete Ärzte, Therapien und Medikamente. Die Häufigkeit psychischer Erkrankungen im Verhältnis zu Herzinfarkten liegt bei ca. 4 Millionen Fällen zu 274.000 Infarkten. Sie sind viel häufiger, als man gemeinhin vermutet.

Die Erkrankungen kann man grob in neurotische und psychotische Störungen unterscheiden.
Neurotische Störungen zeigen sich in einer Realitätsverzerrung in Form von Ängsten, Zwängen, Sexualstörungen, depressiven Verstimmungen, Beziehungsstörungen etc., ohne einen darüber hinausgehenden Realitätsverlust. Diese Erkrankungen können seelsorgerlich, beraterisch bzw. psychotherapeutisch behandelt werden.
Psychotische Störungen äußern sich durch Realitätsverlust, Wahnvorstellungen, Halluzinationen und durch Störun-gen des  logischen Denkens sowie der Gefühle. Betroffene leben in einer eigenen Welt. Hier ist Hilfe vorwiegend durch Medikamente möglich (psychiat-risch).
(Er)tragen und Begleiten des Betroffenen und der Angehörigen sowie die Motivation zur Medikamenteneinnahme sind hier angezeigt.

Ausführlich ging Pfarrer Veeser auf die weit verbreiteten Depressionen und deren Symptome ein. Von einem Tag zum anderen kann eine Depression auftreten und das Leben verfinstern. Das kann jedem passieren. Antidepressiva können mit ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung helfen, doch setzt die Wirkung erst nach einiger Zeit ein. Während Antidepressiva und Neuroleptika keine abhängig machende Wirkung haben, besteht bei Beruhigungs- und Schlafmitteln eine hohe Suchtgefahr.

Eine psychische Erkrankung kann jeden treffen, ob er Christ ist oder nicht. Allerdings haben wissenschaftliche Untersuchungen nachgewiesen, dass Menschen mit einer positiven religiösen Bindung ein höheres Bewältigungspotential besitzen. Das Wissen „Gott ist bei dir und hat Pläne für dein Leben!“ und der Trost von Bibelworten kann sich positiv auf eine Heilung auswirken.

Eine Hilfe bei negativen Gedanken kann auch der Gedankenstopp sein. Bei diesem Instrument werden den einschießenden Gedanken positive Aussagen gegenübergestellt. Solche Gegenüberstellungen finden sich auch z.B. in Psalmen und in christlichem Liedgut.

Abschließend stellte Pfarrer Veeser 7 Tipps zum Umgang mit psychisch Erkrankten vor, die wie folgt überschrieben sind: 
  • Annahme
  • Perspektivenübernahme
  • Begleitung
  • Kontakt halten
  • Medikamente bejahen
  • Angehörige unterstützen
  • auf sich selber achten.


Ein guter Mundelsheimer Tropfen und Beifall waren Zeichen des Dankes für die wertvollen Erkenntnisse.



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